Content-Strategie für KI-Sichtbarkeit funktioniert anders als für SEO. Bei SEO lohnt sich breit aufgestellter Content meist über die gesamte Customer Journey, weil Google für jede Phase eigene Suchergebnisse ausspielt, die zu Sichtbarkeit und Klicks führen können. Bei GEO ist die relevante Spanne für eine Marke deutlich enger, und sie unterscheidet sich von Industrie zu Industrie.
Was bei einer Konsumgüter-Marke wie Nike funktioniert, ist beim Glas-E-Commerce-Shop für Walk-in-Duschen verschwendet. Was für einen B2B-Hersteller die Empfehlung in KI-Antworten auslöst, würde einem reinen Händler nichts bringen. In diesem Artikel beschreibe ich, wie sich GEO-Content-Strategie pro Industrie unterscheidet, welche Methodik dahinter steht und warum die Engine-Wahl entscheidend ist.
Sigrid Holzner zeigt, warum GEO-Content-Strategie sich pro Industrie deutlich unterscheidet. Nicht jeder Content, der zitiert wird, führt zu einer Empfehlung. Citations ohne Mention sind Ghost-Citations, in der Empfehlung liegt das eigentliche GEO-Gold. Die Methodik basiert auf zwei Achsen: Customer-Journey-Phase und Aufwand der Content-Erstellung. Drei Industrie-Beispiele zeigen unterschiedliche Sweetspots. Reine Händler haben ihren Schwerpunkt in der Decision-Phase mit Bewertungs-Plattformen, Marktplätzen und Branchenverzeichnissen. B2B-Hersteller treffen ihre Sweetspots oftmals in Consideration und Decision über Whitepaper, Case Studies, Referenzlisten, Bewertungsportale wie Capterra, G2 und ProvenExpert sowie die Nennung von DIN-Normen und Zertifizierungen. Konsumgüter-Marken konzentrieren sich breit auf Awareness und Postsales mit Wikipedia, Top-Branchenmedien, Influencer-Präsenz und User-Communities, mit messbarem Brand-Recognition-Effekt auch in der Decision-Phase. Die Engine-Wahl spielt mit: ChatGPT zitiert eher Wikipedia und Reddit, Google AI Overviews setzen stärker auf YouTube und eigene Properties, Google AI Mode greift bei Produktanfragen auf Marktplätze. Wer alle Industrien gleich behandelt und überall FAQ-Posts produziert, optimiert mit dem Gießkannenprinzip und verliert den Fokus.
Was ich in Audits beobachte
In den GEO-Audits, die ich seit September 2025 durchgeführt habe, sehe ich ein wiederkehrendes Muster: KI-Antworten zitieren aufwendig produzierten Content der Marke, manche Seite wird sogar regelmäßig als Quelle herangezogen, aber die Marke selbst erscheint im Antworttext nicht. Der eigene Content wird zum Steigbügelhalter für die KI, während KI und Nutzer sich eifrig über den Bedarf unterhalten, ohne dass die Marke sichtbar wird.
Was Google 2015 in seinem Micro-Moments-Framework den I-want-to-buy-Moment nannte, gilt im KI-Zeitalter umso mehr. Über klassische Google Blue Links konnte ich mit einem gut aufbereiteten Blogartikel wenigstens noch im Hinterkopf des Nutzers landen und mit Expertise glänzen. In KI-Antworten bekommt der Nutzer die Marke an dieser Stelle in der Regel nicht einmal zu Gesicht. Erst wenn es darum geht, wo der ermittelte Bedarf gedeckt werden kann, ist es Zeit, die Bühne zu betreten. Hier muss der Content sitzen.
Die Vier-Stufen-Methodik (Empfehlung, Produktkachel, Zitat, Domain-Chip), die ich in einem früheren Artikel zur KI-Monitoring-Methodik beschrieben habe, macht dieses Auseinanderfallen sichtbar. Eine Marke kann zitiert sein, ohne genannt zu werden. Eine andere wird genannt und empfohlen, ohne überhaupt als Quelle aufzutauchen. Kevin Indig nennt das Erstere Ghost-Citations: Content, der eine KI-Antwort liefert, aber nicht die Marke nach vorne bringt.
Die zwei Achsen: Customer Journey und Aufwand
Um zu sortieren, welcher Content sich für welche Marke lohnt, hilft eine Matrix mit zwei Achsen.
Die X-Achse ist die Customer Journey: Awareness, Consideration, Decision, Postsales. Welche Phase der Marke gerade fehlt oder besonders profitiert, hängt von ihrer Marktposition ab.
Die Y-Achse ist der Aufwand der Content-Erstellung: gering, mittel, hoch. Ein Glossar-Eintrag ist gering. Ein Whitepaper mit eigenen Daten ist hoch. Eine Wikipedia-Eintragung ist hoch und zusätzlich indirekt, weil die Marke sie nicht selbst kontrollieren kann.
In jeder Zelle der Matrix steht ein Content-Typ oder eine Plattform, die in dieser Phase und in diesem Aufwandsniveau wirken könnte. Die Sweetspots, also die Kombinationen, in denen eine Industrie tatsächlich Mentions erzeugen kann, unterscheiden sich erheblich.
Sweetspots sind nicht die Zellen mit hohem Aufwand.
Eine Beobachtung aus meinen ECHO-Audits: Auch geringer Aufwand kann ein Sweetspot sein, wenn er an der richtigen Phase ansetzt. Service-Versprechen und Lieferzeiten auf einer Händler-Seite sind schnell zu produzieren und können äußerst effektiv sein, um von KIs in der Decision-Phase empfohlen zu werden.
Zwölf Whitepaper bringen einem Händler nichts, wenn er damit in der Consideration-Phase nur unter den 20 Quellen einer KI-Antwort auftaucht. Denn diese werden laut mehreren Studien weder angesehen noch geklickt: Eine AirOps-Analyse von 548.534 abgerufenen Seiten zeigt, dass 85 Prozent der Seiten, die ChatGPT überhaupt heranzieht, in der finalen Antwort nicht zitiert werden. Und das Pew Research Center hat in einer Studie zu 900 Nutzern gemessen, dass nur ein Prozent der Nutzer auf eine Quelle innerhalb einer Google AI Overview klickt. Wer es nicht in die Empfehlungsliste schafft, wird kaum wahrgenommen. Nicht Citations, Empfehlungen sind das wahre GEO-Gold.
Drei Industrien, drei verschiedene Sweetspots
Reiner Händler (Glas-E-Commerce mit Walk-in-Duschen, Möbel-E-Commerce, IT-Reseller)
Ein reiner Händler oder Online-Shop ohne Eigenmarken, in einer Branche mit etablierten Top-Anbietern.
Ein reiner IT-Händler kann zur Frage, ob mehr Arbeitsspeicher oder ein stärkerer Prozessor gekauft werden sollte, noch so viel Content produzieren, er wird hier kaum Chancen haben, ins Bewusstsein des potenziellen Kunden zu kommen. Dafür ist die Decision-Phase ein klarer Sweetspot, weil es hier um die Nennung eines Anbieters geht: wo bekomme ich etwas her. Hier ist Content auf externen Bewertungs-Plattformen, in Branchenverzeichnissen und auf Marktplätzen der Weg, an der richtigen Stelle in der Customer Journey genannt zu werden. Die Consideration-Phase läuft mit, vor allem über Vergleichsportale.
| Aufwand | Awareness | Consideration | Decision | Postsales |
|---|---|---|---|---|
| gering | Glossar | Listicals, Vergleichstabelle | USPs, Lieferzeiten, Service-Versprechen, Pricing | Pflege-FAQ |
| mittel | Ratgeber-Artikel, YouTube-Erklärvideo | Vergleichsportale | Konfigurator, Produkt-Detailseiten mit Schema, Trustpilot, Trusted Shops, ProvenExpert, ... | YouTube-Tutorials, Versand, Reklamation |
| hoch | Wikipedia, Fachpresse | Branchenmedien | Branchenverzeichnisse, Marktplatz-Listings (Amazon) | User-Communities |
Sweetspot · situativ relevant
Die ideale Content-Strategie mag im Einzelfall abweichen, aber in der Regel sehe ich diese drei Schwerpunkte in Händler-Audits wiederkehren:
- Bewertungs-Plattformen wie Trustpilot, Trusted Shops und ProvenExpert sind die wirksamste externe Quelle für Decision-Prompts. Wer dort kein gepflegtes Profil hat, taucht in den KI-Empfehlungen in der Decision-Phase schwer auf.
- Service-Versprechen, USPs und Lieferzeiten auf der eigenen Website werden in KI-Antworten oft direkt zitiert, aber nur wenn sie strukturiert und prominent auffindbar sind. Idealerweise schon in Headline und Hero, nicht versteckt im Footer oder im Kleingedruckten.
- Branchenmedien können stark wirken, sind aber schwer zu erreichen. Die KI nimmt eine Marke ernster, wenn sie in der Bauwelt oder einem Fachmagazin erwähnt wurde. Das ist einer der wenigen Hebel, der auch im klassischen SEO besonders wirksam war, weil die SEO-Branche sich seit Jahren mit Linkaufbau und Branchenpresse beschäftigt.
Ein konkreter Befund aus meiner laufenden Studie zu deutschen Glas-Shops über diverse Produktkategorien wie Glasduschen, Glasgeländer und weitere: Einer der bisher sichtbarsten Anbieter wird in rund 70 Prozent der Decision-CJ-Prompts in Google AI Mode aktiv empfohlen und dabei meist direkt als Quelle herangezogen. Der Content auf seiner Website ist also nicht nur Beleg, sondern selbst die Begründung der Empfehlung.
Was dieser Anbieter beim Content anders macht, zeigt sich in zwei Mustern, die in den Antwortauszügen der KIs immer wiederkehren:
- Klare USP-Positionierung im Content: "Made in Germany", "Maßanfertigung", "Spezialist". Nicht "wir bieten alles", sondern eindeutige Marken-Würze. In Google AI Mode taucht diese Formulierung paraphrasiert direkt als Begründungssatz auf, in ChatGPT teilweise wörtlich, teilweise umformuliert. Beides funktioniert nur, wenn die USP als zusammenhängender Satz auf der Seite steht und nicht in einer Bullet-Liste verteilt ist.
- Service-Differenzierungs-Inhalt: Konfiguratoren, Beratung, Hilfe bei der Bedarfsermittlung. Das landet als Quelle und als Begründung in der KI-Antwort.
Eine zweite Beobachtung aus derselben Studie betrifft die Bewertungs-Plattformen. Trustedshops, Trustpilot und Trustami tauchen bei Brand-Prompts in beiden Engine-Lagern auf, ChatGPT zitiert sie in 39 bis 63 Prozent der Antworten, Google in 41 bis 77 Prozent. Bewertungs-Plattformen sind die einzige Kategorie, die phasen- und engine-übergreifend trägt. Das deckt sich mit dem Bild, das ich auch in anderen Händler-Audits sehe: Wer dort ein gepflegtes Profil hat, wird unabhängig von der Engine als vertrauenswürdig eingestuft. Wer fehlt, hat in der Decision-Phase kaum eine Chance.
Was viele überrascht: Google-Bewertungen tauchen kaum als zitierte Quellen in KI-Antworten auf.
Von den drei KI-Frontends in der Studie zieht nur ChatGPT Web direkt Maps-Karten mit Google-Business-Bewertungen in die Antwort. In Google AI Mode und AI Overviews tauchen Google Maps Daten weder als Karten-Element noch als zitierte Quelle auf. Trotzdem trägt ein gepflegtes Business Profile mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Sichtbarkeit ein, über den Knowledge-Graph (Googles internes Netzwerk, das Maps-Daten und Marken-Domain verknüpft). Das gehört zur klassischen SEO-Basis. Deshalb stehen in den Tabellen oben hinter den drei zitierten Bewertungs-Plattformen (Trustpilot, Trusted Shops, ProvenExpert) auch Google Business und vergleichbare Profile als Sichtbarkeits-Hebel, auch wenn sie als Citations unsichtbar bleiben.
Diese Befunde stammen aus einem Preview meiner laufenden Studie zu deutschen Glas-Shops und basieren auf dem ECHO-Audit-Framework (19 Shops, 3 Frontends ChatGPT Web, Google AI Mode und AI Overviews, dazu ChatGPT- und Google-API als Daten-Layer, derzeit etwa 30 Prozent ausgewertet). CJ-Prompts sind Anfragen ohne Markennennung entlang der Customer Journey, in dieser Auswertung 67 Prozent Consideration und 33 Prozent Decision. Da die Auffälligkeit zwischen Engine-Logiken und Content-Mustern bereits jetzt deutlich war, teile ich hier vorab. Die Zahlen stehen damit unter Vorbehalt und können sich mit der finalen Auswertung verschieben.
B2B-Hersteller (Maschinenbau, Komponenten, Industriezulieferer)
Ein B2B-Hersteller mit längerem Sales-Cycle, Vertrieb über RFP und persönliche Beziehungen, oft mit komplexen Produkten. Beispiele: Maschinenbau, Komponenten, Industrie-Zulieferer, Spezial-Werkzeuge.
Hier ist die Decision-Phase weniger durch KI-Sichtbarkeit getrieben als durch direkte Vertriebsarbeit. KI-Sichtbarkeit hilft trotzdem, weil Einkäufer in der Recherche-Phase KI-Tools nutzen und ihre Vorauswahl daraus bilden. Sweetspot ist oftmals die Consideration-Phase mit Whitepaper, Case Studies und Fachvorträgen, plus Decision mit Referenzlisten, Bewertungsportalen, DIN-Normen und transparenten Über-uns-Bereichen.
| Aufwand | Awareness | Consideration | Decision | Postsales |
|---|---|---|---|---|
| gering | Glossar | Use Cases (eigene Seite, Reddit-Threads) | Datenblatt, Spec-Sheet, transparenter Über-uns-Bereich | Service-Doku |
| mittel | Trend-Artikel, LinkedIn-Geschäftsführung | Whitepaper, Case Study, Fachvorträge, Podcasts | Referenzliste, Bewertungsportale (Capterra, G2, OMR Reviews, Trustpilot Business, ProvenExpert, ...), Kununu, Industrieverbände | Wartungsanleitung, YouTube-Tutorials |
| hoch | Fachpresse | Peer-Reviewed-Forschung | DIN-Normen, Zertifizierungen | User-Foren |
Sweetspot · situativ relevant
Was hier auffällt: Use Cases eignen sich auf der eigenen Website als Glaubwürdigkeits-Anker und tauchen zugleich in Reddit-Threads zu Branchenproblemen als unabhängige Empfehlung auf. KI-Engines werten beide Quellen aus und verknüpfen sie eng miteinander.
Bewertungsportale für B2B sind häufig unterschätzt. Für Software dominieren Capterra, G2 und OMR Reviews. Für Dienstleister und allgemeine B2B-Anbieter wirken Trustpilot Business, ProvenExpert und branchenspezifische Portale. Kununu spielt indirekt mit, weil KIs es bei Recherchen zur Unternehmensreputation heranziehen. KI-Engines werten diese Quellen genauso aus wie Trustpilot bei Händlern.
Konsumgüter-Brand (Nike, Allianz, etablierte Marken)
Eine etablierte Konsumgüter- oder Dienstleistungs-Marke mit hoher Brand-Recognition, oft national oder international, mit eigenem Markenuniversum. Beispiele: Nike, Allianz, Coca-Cola, Bosch.
Für diese Marken sehe ich Brand-Recognition als Treiber. Sweetspot ist Awareness, weil dort überhaupt entstehen muss, dass die Marke ins Gespräch kommt, und Postsales, weil dort Loyalität und Wiederkauf gefördert werden. Aber Brand-Recognition wirkt auch in der Decision-Phase mit, wenn dort eine Markenpräferenz schon vorhanden ist. Eine Indig-Studie zu 185 Kaufaufgaben in Google AI Mode zeigt, dass 74 Prozent der Final-Shortlists direkt aus dem AI-Output übernommen werden. Wer schon eine Markenpräferenz mitbringt, übersteuert das AI-Ranking, wählt aber zu 81 Prozent dennoch aus dem AI-Set. Wer keine Präferenz hat, lässt sich vom AI-Framing leiten: AI-Framing 37 Prozent und Brand-Recognition 34 Prozent sind die Top-Trust-Driver. Das stützt unsere Auswahl: Brand-Marken wirken in Awareness ebenso wie in Decision, weil sie dort beide Trust-Driver bedienen.
| Aufwand | Awareness | Consideration | Decision | Postsales |
|---|---|---|---|---|
| gering | Brand-Story | Produkt-Übersicht, Stilberatung | Produkt-Detailseite, LocalBusiness Schema | FAQ |
| mittel | Magazin-Bereich, YouTube | Configurator, Magazin-Coverage | Marktplatz-Listings, Awards, Reviews-Plattformen (Trustpilot, ProvenExpert, ...) | YouTube-Tutorials, Reels, Pflegeanleitung |
| hoch | Wikipedia, Top-Branchenmedien, Influencer-Kooperationen | — | Marktplatz-Listing-Optimierung | User-Communities, Subreddits |
Sweetspot · situativ relevant
Wikipedia und Top-Branchenmedien sind die Schwergewichte in der Awareness-Phase. Beide sind nicht direkt durch SEO oder Content-Marketing beeinflussbar, sondern entstehen aus PR, Branchen-Reputation und gegebenenfalls historischer Berichterstattung. Postsales ist für Konsumgüter-Marken oft der unterschätzte Hebel: YouTube-Tutorials, Pflegeanleitungen, User-Communities. KI-Engines ziehen genau diese Inhalte heran, wenn jemand fragt, wie ein Produkt zu benutzen oder zu pflegen ist.
Engine-Differenz: gleiche Phase, andere Quellen
Eine Industrie-Matrix allein reicht nicht. Hinzu kommt eine Engine-Differenz: Welche Quellen die KI heranzieht, hängt nicht nur von der Phase ab, sondern auch von der Engine selbst.
Die Semrush AI Visibility Index Study mit 2.500 Prompts über fünf Industries zeigt deutliche Unterschiede zwischen den großen Engines. Auch in den Audits, die ich gemacht habe, sehe ich diese Muster regelmäßig.
| Engine | Quellen-Typen, die dominieren | Was das für die Strategie bedeutet |
|---|---|---|
| ChatGPT | Wikipedia, Reddit, redaktionelle Inhalte (Magazine, Fachpresse), bei Shopping-Queries auch Marktplätze (Amazon, Target) | Reputation in Texten, die andere über die Marke schreiben. Wikipedia-Eintrag und Magazin-Coverage zählen mehr als eigene Produktseiten. Bei E-Commerce-Anfragen wird Amazon-Präsenz wichtig. |
| Google AI Overviews | YouTube, Reddit, Wikipedia, Google-eigene Properties (Maps, Images, Shopping) | Marktplätze tauchen hier kaum direkt auf, weil Google die Shopping-Funktion separat löst. Dafür dominieren Community-Quellen und Video-Inhalte. Wer auf YouTube und in Reddit-Threads zur Branche präsent ist, hat Vorteile. |
| Google AI Mode | Bei Produktanfragen Marktplätze und eigene Produktseiten, bei allgemeinen Anfragen ein breiter Mix aus YouTube, Reddit, Branchenverzeichnissen | Für spezifische Produktanfragen lohnt sich strukturiertes Schema-Markup auf eigenen Produktseiten plus Marktplatz-Listings. Für Beratungs-Anfragen wirkt der gleiche Quellen-Mix wie bei Google AI Overviews. |
| Perplexity | Reddit-stark, Wikipedia, Magazine, mit hoher Citation-Dichte | Ähnlich wie ChatGPT, aber mit deutlich höherer Anzahl an Citations pro Antwort. Wer als Quelle taugt, wird zitiert, aber selten als Empfehlung im Antworttext genannt. |
Diese Differenz hat unmittelbare Konsequenzen für die Strategie. Eine Marke, die sich auf Wikipedia und redaktionelle Coverage konzentriert, wird in ChatGPT präsent, in Google AI Overviews aber schwächer wahrgenommen, weil dort YouTube und Community-Quellen stärker gewichtet werden. Eine Marke mit gepflegtem Amazon-Listing und YouTube-Kanal hat es bei Google AI Mode und ChatGPT bei Shopping-Queries leichter. Wer seine Zielgruppe kennt und weiß, welche KI-Tools dort genutzt werden, kann seine Investitionen entsprechend gewichten.
Eine fokussierte GEO-Strategie bedient zwei bis drei Sweetspots, nicht das ganze Raster.
Die Auswahl hängt davon ab, welche Industrie die Marke bedient, wo die Zielgruppe recherchiert und welche Engine dort dominiert. Wer alles gleichzeitig versucht, verliert den Fokus und optimiert mit dem Gießkannenprinzip.
— Sigrid Holzner
Was die Matrix nicht leistet
Diese Matrix ist eine Heuristik, kein Algorithmus. Sie hilft beim Sortieren, ersetzt aber keinen konkreten GEO-Audit.
Was sie nicht leistet:
- Sie sagt nicht, mit welchem Schritt eine Marke konkret anfangen soll. Das hängt von der aktuellen Position in den jeweiligen Quellen ab. Wer schon ein gutes Trustpilot-Profil hat, sollte nicht dort weiter investieren, sondern in die Sweetspots, wo die Marke noch fehlt.
- Sie berücksichtigt keine engine- oder branchenspezifischen Eigenheiten in der Tiefe. Ein Audit pro Engine und pro Sub-Niche bleibt unverzichtbar.
- Sie ist eine Beobachtung aus der Praxis, keine quantitative Studie. Für exakte Zahlen pro Industrie und Engine braucht es eine eigene Datenerhebung.
- Industrien sind nie sauber abgegrenzt. Ein Händler mit Eigenmarken (Manufactum, Avocadostore) liegt zwischen Händler und Konsumgüter-Brand. Ein B2B-Hersteller mit Endkunden-Geschäft (Bosch) auch.
Die Matrix ist als Diskussionsgrundlage gedacht, nicht als Endpunkt. Sie hilft, Annahmen zu sortieren und gezielte Audit-Fragen zu stellen.
Wie ich vorgehe im Audit
Konkret prüfe ich pro Kunde vier Dinge:
- Historische Daten: Wie sehen SEO-Rankings aus, welche Backlinks und Mentions gibt es, welche Seiten ziehen KI-Crawler bereits, und woher kommen Nutzer aus KI-Tools auf den bestehenden Content. Erst der Status quo, dann die Strategie.
- Industrie und Sweetspot: Reiner Händler, B2B-Hersteller, Konsumgüter-Brand oder Mischform. Daraus ergibt sich, welche zwei bis drei Zellen der Matrix prioritär sind.
- Engines und Zielgruppe: ChatGPT, Google AI Mode, Google AI Overviews, Perplexity, gegebenenfalls Bing Copilot oder Gemini. Daraus ergibt sich, welche Quellentypen Vorrang haben.
- Position in den prioritären Quellen: Wo wird die Marke schon zitiert oder empfohlen, wo fehlt sie? Wo sind Wettbewerber stärker präsent? Daraus ergibt sich der konkrete Maßnahmenplan.
Die Methodik des Monitorings selbst, also wie ich Mentions, Citations und Empfehlungen in den Engines messe, habe ich in einem eigenen Artikel zur KI-Monitoring-Methodik beschrieben.
Wenn Sie eigene Beobachtungen zu Industrie-Sweetspots haben oder einen blinden Fleck in der Matrix sehen, freue ich mich über Hinweise.